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  • Franz Coester

Malerisches Mustique


Allen Unkenrufen zum Trotz, die Karibik ist wunderschön! Die Menschen sind freundlich, das Wetter ist herrlich und das Wasser warm und kristallklar. Nach Martinique, St. Lucia und Bequia sind wir auf Mustique zu Besuch. Was für ein Traum! Die Insel wird wohl nicht zu Unrecht als einer der exklusivsten Orte der Welt bezeichnet. Sie ist in Privatbesitz und viele Reiche und Prominente besitzen hier abgeschiedene Traumvillen. Mick Jagger, Tommy Hilfiger, Brian Adams und die britischen Royals gehören zum erlauchten Kreis der Eigentümer. Der Zutritt zur Insel ist streng limitiert, der gesamte Küstenbereich steht unter Naturschutz. Und trotz alldem, man fühlt sich willkommen und sicher. In Basil’s Bar geniesst man einen unvergesslichen Sundowner.

Die Ankunft ist schon richtig lustig. Wir fahren in die Britannia Bay, wo wir ohne Probleme eine freie Boje finden. Benjamin von Mustique Moorings ist sogleich zur Stelle. Nach dem Festmachen wird natürlich zuerst abgerechnet. Wir bezahlen eine „Conservation Fee“ von umgerechnet 70 Euro, dafür dürfen wir drei Tage bleiben. Angesichts der Exklusivität wollen wir uns natürlich korrekt verhalten. Deshalb fragen wir gleich nach, was wir dürfen und was nicht. Tanja will wissen, ob wir schnorcheln dürfen, worauf der freundliche Benjamin vor Lachen fast ins Wasser fällt. Natürlich dürfen wir schnorcheln und schwimmen, alles ist ganz entspannt. Einfach auf der Insel selbst ist der frei zugängliche Bereich eingeschränkt.

Statue von Colin Tennant (@SY Lupina)

Mustique gehörte früher einer reichen Familie von St. Vincent. Die Einheimischen bauten für die Besitzer Baumwolle und Getreide an. Zuckerrohr war irgendwann nicht mehr gefragt, die Europäer hatten gelernt, ihren Zucker selbst zu produzieren. 1958 wurde die Insel dann von Colin Tennant, einem britischen Adeligen erworben. Er bezahlte damals 45’000 Pfund für das 5.7 km2 grosse Eiland. Es existierten keine Strassen, keine Elektrizität, keine Anlegemöglichkeit für Schiffe. Um die 100 Einheimische lebten in einem baufälligen Dorf und fristeten ihr Dasein wohl eher schlecht als recht. Tennant baute ein neues Dorf für die Inselbewohner, pflanzte Kokospalmen, Gemüse und Obst an und eröffnete Cotton House, das erste Hotel der Insel. Indem er den Frischvermählten Prinzessin Margaret und Earl of Snowdon ein Stück Land schenkte, setzte Tennant den Grundstein für die spätere Entwicklung der Insel.

Am folgenden Tag buchen wir eine Inselrundfahrt mit dem Taxi von Jonny P. Er ist ein Einheimischer, kennt wirklich jeden hier und auch alle hier ansässigen Berühmtheiten. „Heute früh war der Premierminister von Grossbritannien im Dorf“. Die Fahrt über die Insel hat etwas Unwirkliches, fast wie eine Tour durch die Wysteria Lane. Man fühlt sich wie in einem riesigen Privatpark. Die Inselbewohner haben ein gutes Leben, alle sind bei der Mustique Company oder bei den Villenbesitzern angestellt. „Our unemployment rate is zero percent, our crime rate is zero percent“. Das grösste Problem hier seien Paparazzi. Vor einigen Jahren wurde hier die schwangere Kate Middleton im Bikini fotografiert. Den Verantwortlichen war das überaus peinlich. Der Übeltäter wurde ausfindig gemacht und mit lebenslangem Einreiseverbot belegt.

Die Eigentümer seien freundlich und wirklich gut gelaunt. Er kennt Mick Jagger und Tommy Hilfiger, jeden Fahrer, der uns begegnet, begrüsst er mit Namen. Auf der Ostseite der Insel zeigt er uns eine traumhafte Bucht. „Dort drüben ist das Anwesen von Brian Adams und daneben wohnt Mick Jagger“. „Was würde passieren, wenn wir hier ankern?“, fragen wir. „It wouldn’t happen“ ist seine lakonische Antwort.

Der Flughafen ist abenteuerlich und wird an beiden Enden von einem Hügel abgeschlossen. Landende Flugzeuge fliegen unglaublich steil, fast im Sturzflug herunter, um die kurze Landebahn zu treffen. Es sind kleine Propellermaschinen, die von St. Vincent, St. Lucia und Barbados hierher fliegen.

Im lokalen Fischmarkt kaufen wir einen frischen Tuna, drei Kilo für 20 Euro. Aber nicht alles ist so preiswert, eine Flasche Gingerbeer, immerhin mit zwei Litern Inhalt, erstehen wir für 10 Euro. Wir geniessen den Nachmittag in der Bucht, es ist einfach herrlich ruhig. Keine Jetskis, keine lärmenden Yachten, alles friedlich und entspannt. Eine überschaubare Anzahl von Segelyachten liegt an den Bojen, weiter aussen dann einige grössere Yachten der exklusiveren Sorte. Das Schnorcheln im klaren warmen Wasser ist herrlich. Immer wieder sehen wir Schildkröten.

Der nahe Strand ist menschenleer. Ab und zu einige Spaziergänger oder Leute, die von den Yachten an Land schwimmen. Am Abend lockt Jazzmusik in Basil’s Bar, dazu gibt es gute Drinks. Mein momentaner Favorit ist „Dark and Stormy“, Gingerbeer mit dunklem Rum.

Das Motto der Insel lautet: „All you take is pictures, all you leave is bubbles“. Daran halten wir uns und verlassen diesen fantastischen Ort. Wir werden nicht das letzte Mal hier gewesen sein.

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