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  • Franz Coester

Karibik im Coronazeitalter


Das Coronavirus hat uns eiskalt erwischt, wir sind nicht die Einzigen. Aber keine Sorge, wir sind gesund. Von verschiedener Seite wurden wir immer wieder angefragt, wie es uns geht und wo wir gerade sind. Danke für all die besorgten und ermunternden Nachrichten! Uns geht es sehr gut und von einer Ansteckung sind wir verschont geblieben. Gerade jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, sitze ich mit der Swiss Mocha auf Grenada fest. Seit drei Wochen gilt hier eine allgemeine Ausgangssperre, die sich auch auf die Segelyachten hier erstreckt. Es ist noch nicht einmal gestattet, mit dem Schiff den Standort zu wechseln. Carolin ist schon seit einiger Zeit wieder in der Schweiz, wo ja auch nicht allzu viel läuft.

Unser Segelwinter in der Karibik war wunderschön, mit wechselnder Crew waren wir in den Windward- und Leeward Islands unterwegs. Zuerst sind wir von Martinique aus über St. Lucia und die Grenadinen bis nach Union Island gesegelt. Danach Rückkehr nach Martinique und von dort aus nach Guadeloupe. Wir hatten tolle Erlebnisse und haben wunderschöne Orte besucht. Die Reise ging dann nördlich weiter über Antigua bis Barbuda und von dort wieder südlich nach Martinique. Der letzte Törn hat mich dann zusammen mit Crewmitglied Thomas wieder nach Süden geführt. Auf Grenada war dann Endstation, glücklicherweise ist Thomas noch gut zurück in die Schweiz gekommen.


Das Segeln in der Karibik hat uns sehr gut gefallen. Von Mustique und von den Tobago Cays habe ich ja Berichte, Bilder und ein Video geschickt. Das war auch die Gegend, die wir als Schönste erachten. Immer wieder hatten wir vorab gehört oder gesagt bekommen, die Karibik sei nicht mehr lohnend, die Leute unfreundlich. Absoluter Unsinn. Natürlich ist die Karibik nicht mehr so unberührt wie noch vor 40 Jahren. Natürlich hat die Zunahme der Segelschiffe hier und da zu eher unschönen Entwicklungen geführt. Aber mal ehrlich, wo ist das nicht so?

Der nachfolgende Törn von Grenada nach St. Kitts ist dem Virus zum Opfer gefallen. Lukas, Kathrin, Linus und Florin müssen in der Schweiz bleiben. Lange haben wir noch gehofft, aber schliesslich hat Grenada alle Grenzen dicht gemacht, den Flughafen geschlossen und die besagte Ausgangssperre verhängt. Das Virus ist hier für den Moment ausgerottet, so scheint es. Aber das kann ja nur so bleiben, solange die Grenzen zu sind. Und es sieht so aus, als ob Grenada genau das vorhat.


Ich hatte mir eingeredet, dass ich das Problem hier locker aussitzen kann, aber mit geschlossenen Geschäften hat sich das als Wunschdenken entpuppt. Unmittelbar vor dem Lockdown konnte ich mich noch mit ausreichend Material eindecken und die letzten Wochen verschiedene Projekte umsetzen. Das Schiff sah einmal mehr aus wie ein Schlachtfeld, gut nur, dass ich alleine war. Schliesslich war ich aber des Drecks und der Arbeit etwas müde. Inzwischen präsentiert sich die Swiss Mocha wieder zivilisiert und das Werkzeug ist in der neuen Werkzeugkammer verstaut.

Am Innenausbau habe ich verschiedenes geändert und optimiert. Mehr Stauraum, mehr Ordnung, die Eignerkajüte nach Steuerbord verlegt, Werkzeug und Zubehör neu geordnet und an anderer Stelle aufbewahrt, es ist wahrlich einiges passiert. Und die Ideen gehen mir nicht aus.


Das leidige Thema der Servicebatterien ist jetzt hoffentlich vom Tisch. Die AGM Batterien habe ich mit 600Ah Lithium Ionen Batterien ersetzt. Eine riesige Plackerei, zusätzliche Kontrollgeräte, meterweise Kabel gelegt. Es ist vollbracht. Die neuen Batterien funktionieren und jetzt kann die Nespresso-Maschine sogar benutzt werden, ohne den Motor zu starten. Hurrah!


Natürlich war ich vermehrt im Internet und habe die Zeitungsberichte aus der Schweiz und Grenada verfolgt. Irgendwann war es dann aber auch nicht mehr so interessant. Die Experten warnen, die Experten entwarnen, der Bundesrat sitzt und berät, soll jetzt gelockert werden oder doch nicht, die Parteien sind dafür oder dagegen und die SVP will eine PUK. Trump ist ein Trottel, Merkel labert, Johnson ist im Spital, Parmelin noch nicht. Irgendjemand hat dank Corona aufgehört zu rauchen, Federer macht Tennispolitik, Pocher stachelt und Wendler heiratet. Wer zum Henker ist das eigentlich?


Mein Plan die Swiss Mocha nach USA zu überführen ist nicht mehr praktikabel, und unter den gegebenen Umständen ist auch Grenada keine Option mehr. Deshalb werde ich, so sehe ich das vor, nach Europa zurücksegeln. Die Seglergemeinschaft hier dreht im roten Bereich. Zahlreiche Personen suchen Möglichkeiten zum Wegkommen, zahlreiche Skipper suchen verzweifelt nach Crew, um ihre Schiffe nach Europa zu bringen. Hier bleiben wollen die wenigsten. Es ist nicht absehbar, wann in der Karibik wieder normale Zustände herrschen werden. Grenada hat den Notstand für die kommenden sechs Monate erklärt. Das ist auch der Grund, weshalb ich möglichst bald von hier weg will.

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