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  • Franz Coester

Jenseits des Atlantiks



Mit zwei Jahren Verspätung haben wir es nun endlich geschafft. Wir sind in der Karibik angekommen und geniessen das hiesige Flair. Die Wassertemperatur ist mit 29 Grad so wie erwartet. Das herrliche Nass lädt permanent zum erfrischenden aber nicht fröstelnden Sprung in die Fluten.


Start in Teneriffa


Nach den sportlichen Überfahrten von Athen bis zu den Kanarischen Inseln sind zuerst einige Reparaturen fällig. Eine Stütze des Hardtops muss geschweisst werden. Die Gleiter für das Grosssegel am Mast haben heftig gelitten, das ganze System muss demontiert werden. Einige Schienen sind zu ersetzen und einige der Gleiter ebenso. Bei 30 Knoten Wind ist das eine knifflige Angelegenheit.

Und nicht zuletzt muss die Zahnfront des Skippers renoviert werden. Nach einem Sturz beim Besteigen des Schiffes in Mallorca sind die Beisser stark in Mitleidenschaft gezogen.


Aber kaum zu glauben, innerhalb einer Woche werden drei Wurzelbehandlungen durchgeführt und eine Brücke fabriziert. Unmittelbar nach der letzten Behandlung stechen wir in See.




Richtung Kapverden

Die Crew ist vollständig, Magnus, Jörg und Sepp sind eingetroffen und freuen sich riesig auf unser Abenteuer. Wie man sieht sind die Temperaturen noch frisch. Das wird sich in den nächsten Wochen ändern.


In Tiefdruckgebiet nördlich der Kanaren beschert uns schwachen Wind. Das eiserne Segel (der Motor) kommt zum Einsatz, bis wir weiter südlich den erhofften Passat finden. Nach fünf Tagen kommen wir auf den Kapverden an und machen in der Marina von Mindelo fest.

Hier können wir nochmals frisches Gemüse und Fleisch einkaufen. Für die kommenden zwei Wochen wollen wir ja nicht nur Corned Beef auf dem Speiseplan! Es ist richtig afrikanisch hier. Ein wenig verlottert, aber die Leute sind unendlich hilfsbereit und nett. Wir bleiben drei Tage und treffen andere Segler, die ebenfalls Richtung Westen wollen. Ben und Auriane helfen wir mit unserem Hochdruckreiniger aus und ernten ewige Dankbarkeit.


Richtung Westen


Der Dieseltank wird nochmals gefüllt, der Liter kostet hier gerade mal 87 Cents! Dann aber die Leinen los, wir wollen segeln.

Anfangs weht der Wind nur spärlich, zehn Knoten reichen nicht für Freudensprünge. Aber wir segeln und halten uns südwestlich, um kräftigeren Passat zu erreichen. Und nach zwei Tagen auf See stabilisiert sich der Wind bei 15 Knoten und pendelt für den Rest der Überfahrt zwischen 15 und 20 Knoten. Perfekte Verhältnisse, es könnte nicht besser sein. Mit Tagesleistungen bis zu 200 Seemeilen kommen wir herrlich gut voran. Die Crew hat sich innert kurzer Zeit zu einer Einheit geformt. Die Wachablösungen funktionieren wie ein Uhrwerk und die Stunden und Tage vergehen wie im Flug.


Advent, Advent, ein Lichtlein brennt....


Zum ersten Advent improvisieren wir uns einen Adventskranz. Es kommt zwar keine weihnachtliche Stimmung auf, aber die Idee war trotzdem ganz gut.


Lange hat die Installation nicht überlebt, die Crew war durstig.



Entgegen anderslautender Befürchtungen bzw. Reberschen Behauptungen gibt es zum Essen kein Corned Beef und auch keine überreifen Bananen.


Unsere Bemühungen als Hochseefischereien sind von Erfolg gekrönt. Kurz vor Dunkelheit fangen wir eine riesige Goldmakrele. Das Ding ist mindestens 10 Kilo schwer und Jörg arbeitet stundenlang, bis alles filetiert und aufgeräumt ist.


Und dann gibt es tagelang Fisch. Er ist zwar ausgezeichnet, aber irgendwann hängt einem das dann auch zum Hals heraus. Sepp will endlich Rösti mit Spiegelei, aber der Fisch muss weg.




Die rote Sonne von Barbados

Bereits nach zwölf Tage ist es soweit, Land in Sicht!

Wir hatten irgendwie ganz romantische Vorstellungen von Barbados. Karibik-Feeling, Piraten-Flair, Jörg schwärmte immer von der "roten Sonne von Barbados". Naja, es hat uns nicht vom Sockel gehauen, und der Song von den Flippers ist unterirdisch. Aber wir geniessen den festen Boden unter den Füssen, gehen wieder mal auswärts Essen und bummeln durch das pulsierende Bridgetown.


Der Behördenmarathon hat es in sich. Zuerst zum Health-Officer, wo wir eine Crewliste ausfüllen und in einem Formular unseren seuchenfreien Zustand bestätigen. Dann zum Customs-Officer, wo wir eine Crewliste ausfüllen und unsere Alkohol- und Tabakbestände offen legen. Und dann zum Immigration-Officer, wo wir abermals eine Crewliste und für jedes Crewmitglied ein spezielles Formular ausfüllen. Das Ausklarieren ist nicht weniger aufwendig, hier muss dann noch der Dockmaster besucht werden. Und es wird wohl kaum überraschen, auch hier müssen wir wieder eine Crewliste ausfüllen....


Martinique


Von Barbados nach Martinique ist es nur ein Tagesschlag. Wir haben phantastischen Wind und bringen die knapp 100 Seemeilen in 13 Stunden hinter uns. Im Dunkeln ankern wir vor Sainte Anne, am nachfolgenden Morgen staunen wir über die vielen Yachten, die hier vor Anker liegen. Martinique ist wunderschön, sehr hügelig und unendlich grün. Abseits der grossen Buchten von Le Marin und Fort de France ist das Wasser klar und die Atmosphäre karibisch, so wie wir uns das vorgestellt haben.


Carolin ist über Toronto mit dem Flieger angereist und wir feiern unser Wiedersehen.

Unsere Reise geht hier für Sepp, Magnus und Jörg zu Ende. Wir hatten eine grossartige Zeit zusammen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Crew so gut harmoniert. Wir versprechen uns, dass wir uns wiedersehen werden.


Euch allen wünschen wir eine friedliche Weihnachtszeit und alles Gute für das kommende Jahr!




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