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  • Franz Coester

Von Griechenland zu den Kanaren



Der Sommer in der Ägäis ist zu Ende. Nach Unterhaltsarbeiten in Lavrion starten wir unseren Weg Richtung Westen.

Mit Bea, Richard, Albert und Tim fahren wir nach Milos und ankern nochmals in der Bucht von Kleftiko. Danach geht es um den Peloponnes Richtung Pilos. Bea wird fürchterlich seekrank, die Bordapotheke kommt zum Einsatz und bringt ein wenig Linderung. Und dann steigt die Wasserpumpe aus, na bravo! Wir bestellen noch unterwegs einen Ersatz, den wir in Pilos vor der Abfahrt pünktlich bekommen und einbauen. Fliessendes Wasser ist kein Luxus, aber erst wenn es nicht funktioniert, erkennt man die Bedeutung.

Die Überfahrt nach Sizilien ist herrlich, wir haben guten Wind und Bea ist wieder vollständig genesen.

In Giardini Naxos bei Taormina nehmen wir Jenny, Kevin, Christian und Remo an Bord. Die Nacht in der Ankerbucht schlägt bezüglich Lärm alle Rekorde. Die Diskomusik hält uns bis spät in die Nacht wach und wir verlassen den Ort am nächsten Tag ein wenig müde und erleichtert. Es geht nach Norden durch die Strasse von Messina nach Stromboli und von dort weiter nach Sardinien. Zum Segeln kommen wir nicht wirklich, eine ausgeprägte Flaute sorgt für eine spiegelglatte See und endlos scheinende Fahrt unter Motor. Aber gegen Ende der Woche kommt doch noch Wind auf, die Segel werden ausgepackt und am letzten Tag des Törns üben wir noch Mann bzw. Boje über Bord.

Carolin reist für eine Woche in die Schweiz um Familie und Freunde zu besuchen, der Skipper fährt mit Tobias, Nena, Fabienne und Stefan von Olbia nach Port St. Louis. Der Wind bläst, von Toulon aus haben wir Mistral und müssen aufkreuzen. Sportliches Segeln, aber dank Landnähe wenig Welle. Wir kommen pünktlich und zufrieden in Port St. Louis an.

Das Schiff muss nochmals aus dem Wasser. Die Motorenwartung steht an, Ölwechsel an den Saildrives, und das Unterwasserschiff wird nochmals komplett abgeschliffen, um einen Kupferanstrich aufzubringen. Damit sollte die lästige jährliche Malerei vom Tisch sein, laut Hersteller soll die Kupferfarbe für 10 Jahre Wartungsfreiheit gewährleisten. Das Grosssegel geht zur Reparatur, die Reffkauschen waren nicht korrekt vernäht, was in Garantie erledigt wird. Wir bekommen Besuch von Dani und Tanja, die wir im Januar in der Karibik an Bord haben werden. Wir lachen viel und spielen Brandi Dog, nach all der Arbeit geniessen wir diese entspannten Stunden.

Dann ein Kurzbesuch in der Schweiz, ein paar medizinische Checks, die alle zur vollständigen Zufriedenheit ausfallen und natürlich das Jahrestreffen mit unseren Clubmitgliedern in Restaurant Schiff in Pfäffikon. Es macht riesig Spass, so viele bekannte Gesichter wieder zu sehen und sich über schöne Segelerlebnisse auszutauschen.

Ende September können wir die Swiss Mocha wieder einwassern, alles scheint bereit für die grosse Überfahrt. Mit Simone, Suzanne, Lukas und Carlos fahren wir Richtung Balearen. Die Überfahrt nach Menorca ist fantastisch, der Wind kommt von hinten und unter Gennaker schaffen wir ein Etmal von 198 Meilen! Auf Menorca besuchen wir Sepp und Gigi und geniessen eine tolle Paella und tolle Gastfreundschaft. Wir machen wieder Halt in Cala Covas und segeln dann weiter nach Palma de Mallorca.

Hier nehmen wir Eveline, René, Martine, Erik und Magnus an Bord und nehmen Kurs auf Malaga. Das Ausscheidungsspiel der Schweiz gegen Portugal dominiert kurzzeitig das Bordleben, Eveline ist untröstlich, dass die Schweiz in die Barrage muss. Glücklicherweise wird sich später herausstellen, dass die Schweiz sich über die Zusatzrunde für die Fussball-WM qualifiziert, die Welt ist wieder in Ordnung. Die windarme Überfahrt nach Benalmadena strapaziert einmal mehr die Motoren, die Segel bleiben eingepackt, sehr zum Leidwesen von Martine und Erik, die schon letztes Jahr eine solche Woche erwischt haben.

Der nun folgende zweiwöchige Törn führt von Malaga über Gibraltar nach Teneriffa. Erwin, Judith, Sascha und Fritz begleiten uns auf dieser Fahrt. Bis Gibraltar müssen wir unter Motor fahren, dann kommt Wind auf und wir rauschen unter Gennaker durch die Strasse von Gibraltar. Dann frischt der Wind auf und dreht nach Südwest. Wir müssen genau in diese Richtung und segeln hart am Wind, es ist sehr ruppig! Judith liegt mit Seekrankheit flach und auch alle anderen sind nicht mehr wirklich hungrig. Wir beschliessen, Marokko anzulaufen, um der Crew und dem Schiff eine Pause zu gönnen. Ein schlecht gewählter Ankerplatz sorgt für Spannung, wir müssen Anker und Kette aufgeben und laufen den Hafen von Mohammedi an, jetzt endlich können wir eine Ruhepause einlegen. Tags darauf gelingt es uns mit zwei Tauchern, das Ankergeschirr zu bergen, worüber der Skipper sehr erleichtert ist.

Der Wind hat auf Nordost gedreht, wir segeln entspannt weiter nach Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria und erreichen schliesslich die Marina San Miguel auf Teneriffa. Ein Mann über Bord im Hafen sorgt nochmals für Stimmung, der Steg war rutschig und das Handy hat es nicht überlebt. Dem Skipper kommt das bekannt vor, vor Jahren wurde sein iPhone in der Bucht von Cabrera beerdigt.

Wir nehmen Abschied von unserer Crew und haben jetzt drei Wochen Zeit, uns auf die Atlantiküberfahrt vorzubereiten. Die Ankerwinsch muss repariert werden, ebenso wie der Ankerbeschlag. Die Grossschot wird neu geführt und ersetzt, die vielen Umlenkungen waren alles andere als optimal. Der Tisch im Cockpit sieht auch nicht mehr so gut aus, also wird er abgeschliffen, eingeölt und sieht danach wie neu aus.

Und es wird gebunkert. Getränke und Lebensmittel für vier Wochen, unglaublich welche Mengen da zusammenkommen, unglaublich auch, wie das alles Platz findet, der Stauraum scheint fast unerschöpflich. Der Skipper testet nochmals alle Systeme, insbesondere das Einholen der Wetterdaten mittels Satellitentelefon.


Jetzt sind wir bereit, in wenigen Tagen kommt die Transat-Crew, das Abenteuer Atlantiküberquerung kann beginnen.


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