Suche
  • Franz Coester

Willkommen in Griechenland



Unsere Überfahrt nach Griechenland liegt hinter uns, Lavrion hat uns mit einem heftigen Gewitter willkommen geheissen, aber davon später.

Mitte April haben wir Port St. Louis verlassen, gemeinsam mit unserem Freund Pietro konnten wir die neuen Segel hissen, die dem Schiff sehr gut bekommen. Mit Unterstützung des Mistrals fahren wir nach Menorca wo wir Mahon und Ciutadella anlaufen. Unseren Besuch der Cala Covas haben wir schon früher beschrieben, Menorca gefällt uns sehr gut!


Weiter geht es via Mallorca nach Barcelona, wie immer wunderschön. Der starke Wind in Las Ramblas wirbelt Blütenstaub und beschert einen kurzen Heuschnupfen-Anfall. Hier in Barcelona verlässt uns Pietro leider schon wieder und wir machen uns zu zweit auf den Weg nach Valencia, wo wir vor den ersten Gästen kurz verschnaufen und ein wenig Sightseeing machen. Carolins Verwandte sprechen Spanisch wie aus dem Maschinengewehr, der Skipper versteht kein Wort. Aber die Herzlichkeit kommt dennoch an.

Ende April dann die ersten Gäste, mit Esther, Markus und Albert segeln wir Richtung Osten. Mit gutem Wind geht es unter Segeln direkt nach Soller an der Westküste Mallorcas. Danach umrunden wir die Insel, machen einen Abstecher nach Cabrera und kommen schliesslich pünktlich in Palma an. Mallorca ist unverschämt teuer, die Hafengebühren liegen im Mai schon bei 150 Euro, anscheinend gibt es genügend zahlungskräftiges Publikum.

Mit der nächsten Crew segeln wir weiter ostwärts, mit kräftigem Wind meistern wir die Überfahrt nach Sardinien. Dem Stugeron wird kräftig zugesprochen, Frank schläft praktisch ununterbrochen, Peter, Manuela und Carolin beissen sich durch und dem Skipper geht es auch nicht viel besser. Dafür läuft das Schiff über Stunden mit acht bis neun Knoten, das ist Segeln vom Feinsten! Zum Glück sind die Weinflaschen heil geblieben. Durch das Maddalena Archipel, welches um diese Jahreszeit herrlich ruhig ist, erreichen wir Olbia und müssen uns schon wieder von einer Crew verabschieden. Herzlichen Dank an Frank für einen hintergründig-poetischen Gästebucheintrag!

Die folgende Woche führt uns von Sardinien nach Sizilien und bleibt uns vor allem wegen wenig Wind in Erinnerung. Nicht einmal 50 Meilen können wir unter Segeln zurücklegen, den Rest besorgt das eiserne Segel, sprich der Motor. Peter und Martin tragen es mit Fassung und freuen sich darüber, dass der Skipper das Toilettenproblem lösen kann. Die neuen elektrischen WCs sind beide defekt, deshalb wird in Arbatax kurz entschlossen ein handbetriebenes beschafft und eingebaut. Die Zwischenlösung mit der Pütz wird dankbar aufgegeben.

Ab Riposto zielen wir über das Ionische Meer direkt nach Pilos auf dem Peloponnes. Der Wind ist zurückgekehrt, die Crew wird gefordert. Eine Stunde nach Ankunft von Änder (ho!), Pascal und Marco stechen wir bereits in See, drei Stunden später liegen alle mehr oder weniger flach. Die Fische werden fleissig gefüttert und das bewährte Stugeron findet dankbare Abnehmer. Aber auch hier, herrliches Segeln mit Wind aus 120 Grad, nach 320 Meilen legen wir zufrieden in Pilos an und beschaffen uns das berüchtigte Transitlog, welches für Griechenland erforderlich ist. Nach Umrundung des Peloponnes besuchen wir die Insel Hydra, ein malerischer Ort. Keine Autos, alle Transporte werden mit Eseln oder Maultieren bewerkstelligt. Und im Hafen drängen sich die Yachten, wir haben Glück und ergattern einen Platz direkt am Stadtquai. Am nächsten Tag geht's Richtung Ziel, unter Motor zuckeln wir über den Saronischen Golf nach Lavrion. Wegen Platzmangel im Hafen legen wir uns vor Anker und freuen uns darüber, hier zu sein.

Der nächste Morgen beginnt mit einem Donnerschlag, und zwar nicht nur sprichwörtlich. Früh um sechs kracht es ohrenbetäubend, ein Blitz hat wohl in unmittelbarer Nähe eingeschlagen. Aber nicht in unser Schiff, der Skipper dreht sich nochmals auf die andere Seite. Nach dem Aufstehen dann aber die Erkenntnis, es funktioniert nicht alles wie es soll. Da brennen ein paar Lämpchen, die nicht brennen sollten, und andere sind erloschen. Die Motoren laufen glücklicherweise noch, wir fahren in den Hafen. Eine Stunde später ist der helfende Engel Michael, ein Schweizer, der in Lavrion wohnt und arbeitet, bereits an Bord. Der Schaden wird aufgenommen und überschlagen. Es ist alles kaputt! Die Elektronik hat Totalschaden erlitten, Autopilot, Plotter, Funkgerät, AIS und Instrumente müssen komplett ersetzt werden. Das Ladegerät und die Ladegeräte sind hinüber, der Wassermacher, der Boiler und die Heizung (die wir momentan nicht wirklich brauchen) müssen ersetzt bzw. repariert werden. Unglaublich, was ein starkes elektromagnetisches Feld in einer Millisekunde anrichten kann. Zum Glück sind wir versichert! Anstatt einer Woche Freizeit wird tagelang repariert, Kabel müssen neu gezogen werden, der Skipper kriecht durch das Schiff und steigt unzählige Male in den Mast. Fitnessprogramm der unfreiwilligen Art. Ende der Woche ist dann (fast) alles erledigt, das Schiff funktioniert wieder und wir können durchatmen. Ein Sprung in das bereits angenehm warme Wasser spült den Schweiss und die Anstrengung der letzten Tage ab, wir geniessen verdientermassen einen ruhigen, erholsamen Nachmittag.

Es ist herrlich hier, sommerliche Temperaturen, das Wasser klar und sauber, die Griechen gastfreundlich, das Essen ausgezeichnet.

Jetzt sind wir wieder bereit, erwarten die nächsten Gäste und freuen uns auf die kommenden Wochen in der Ägäis.


5 Ansichten
IMG_6944
IMG_6478
IMG_6326
IMG_6531
IMG_6501
Sardinien_1609_175
Sardinien_1609_127
Sardinien_1609_125
Sardinien_1609_172
Sardinien_1609_108

Besucher

© 2019  Swiss Mocha